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Zwangsgedanke Teil5: Hass auf und in der Fernsehlandschaft

Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie. – Neil Postman

In letzter Zeit sehe ich zu viel Fernsehen. Grausam. Die Fernsehlandschaft bietet durchweg unteres BILD-Niveau, und das will was heißen. Für gewöhnlich führt man den Schluss an, dass das Fernsehen mit einem verallgemeinernden Menschbild arbeitet und sein Programm für den „Durchschnittsmenschen“ macht. Im Bereich der Softwareentwicklung orientiert man sich am Dümmster Anzunehmender User, so kann man wohl beim Fernsehen vom Dümmsten Anzunehmenden Zuschauer ausgehen. Neil Postman schreibt, dass dieser dümmster Zuschauer das Kind wäre und prognostiziert die Schaffung eines Kind-Erwachsenen, ein erwachsener Mensch mit dem Geist eines Kindes. Was Postman noch in der Entwicklung begriffen sah, sei heute schon Fakt. Der Eindruck muss sich einem aufzwängen und die allgemeine Ebene des Intellekts ist nicht vorhanden. Doch man muss sich einmal fragen, ob dies nur der Eindruck ist der entstehen soll. Tatsächlich ist kaum davon auszugehen, dass ein erwachsener Mensch – unserer Dekadenzgesellschaft, ja selbst in Griechenland – so primitiv ist, dass er den Flachsinn nicht bemerkt.

Als Jemand der um seinen kranken Geisteszustand noch besorgt ist, greift man noch auf die – wohlgemerkt vom Fernsehen selbst – als niveauvoll ausgezeichneten Sendungen zurück. Klar, dass da nur die Politik-Talkshows vom Kaliber Meischberger, Will und Illner, höchstens noch brillierenden journalistische Glanzlichter eines Beckmann und Kerner in Frage kommen können. Aber wem die Meischberger einfach zu selbstgefällig und einfältig, die Illner zu beschränkt, der Beckmann zu selbstverliebt und der Kerner zu hohl ist, ja für den gibt es noch zwei Fernsehsterne, die über diese traurigen Figuren erhaben sind. Die Rede ist natürlich von meinen neuen Lieblingen Plasberg und Lanz!

Frank Plasberg gibt sich als Journalist und Fernsehmoderator aus. Der Mann gibt die Sendungen Hart aber Fair und bei Plasberg privat oder so im Vierundachzigsten. Wer seine Sendungen mal verfolgt –was ich nicht empfehlen will – der stellt fest, dass Plasberg wohl auf die gleiche Journalistenschule wie Michel Friedmann gegangen ist. Sein Moderationsstil ist ebenso asozial und reißerisch. Ein markantes Merkmal von ihm ist, dass er gerne Fragen stellt. Gut, das gehört zum Job, doch Plasberg beschränkt sich nur auf das Stellen von Fragen und nicht auf das Erhalten von Antworten auf diese Fragen. Er fragt etwas – leidenschaftlich, etwas Provozierendes – wendet sich dann von dem Angesprochenen ab und stellt einem Anderen die nächste Frage. Souverän vermittelt er, dass er gar kein Interesse an einer Antwort hat. Mit größter Hingabe leiert er seine reißerischen Skripte ab und gibt altkluge Kommentare von sich. Man fragt sich, weshalb ist Plasberg (noch) nicht selbst Politiker? Wahrscheinlich ist in der Politiklandschaft die Nachfrage von hetzerischen Dummschwätzern und von Altersweisheit geplagten 30+ erschöpft.

Allerdings ist mein absoluter Liebling Markus Lanz. Während ich diesen Artikel hier schreibe, stelle ich mit Überraschung fest, dass Lanz nicht nur Moderator, sondern auch Autor ist. Dass er schreiben kann hätte ich ihm gar nicht zu getraut. (Außerdem untermauert das meine These, dass heute jeder Trottel ein Buch verlegen lassen kann. Gutenberg hätte sich wahrscheinlich aus Anstand erschossen, hätte er gewusst wozu man den Buchdruck missbrauchen würde.) In schier unerschöpflicher Selbstgefälligkeit, Geilheit an sich selbst und (hoffentlich nur gespielter) Einfältigkeit leitet dieser Mann seine Gesprächssendung. Kindlich dumm und platt bemüht er sich Gefühlsduseleien und Schwachsinn aus seinen Gästen zu pressen. Er hat für Alles und Jeden Mitgefühl und vor allen Dingen für sich selbst. Ich zittere schon heute vor dem zukünftigen Fernsehprogramm in dem vielleicht das gemeinsame Kind mit Birgit Schrowange seinen Platz annehmen könnte. Das dann bis zur Unkenntlichkeit in die Hölle hinab gesteigerte Niveau der Sendung übersteigt meine tapfere Vorstellungskraft.

In diesem Sinne kann man nur noch den letzten legalen Drogen zusprechen um die Berieselung mit zu hohem Alkoholpegel auszuhalten. Vielleicht sollten die Fernsehhersteller dazu überzugehen einen Kasten Bier zu jedem Neugerät zu bündeln; das kurbelt das Geschäft an.