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Zwangsgedanke Teil 6: Was haben der Rücktritt von Horst Köhler und ein Sack Reis gemeinsam?
Die Vitalität und Stabilität der Demokratie – auch der Wirtschaft – hängen letztlich eminent von der Durchlässigkeit der Gesellschaft ab. Wir brauchen Eliten. Aber sie dürfen sich nicht nur aus sich selber rekrutieren – Horst Köhler
Hmm, mal überlegen… beide Fallen um und die Presse berichtet drüber, wenn es sonst nichts Interessantes zu geben scheint? Auf Anhieb richtig! Der Rücktritt von Köhler toppt selbst eine der größten Ölkatastrophen überhaupt. Hut ab! Das hätte man dem Mann gar nicht zugetraut. Offengestanden hat man den Mann doch nur als Witzfigur wahrgenommen und das liegt nicht an seinem Scheinamt – ein bischen auf den Altenprügelknaben Zeitgeist einschlagen und mal ein paar rührselige Kommentare traue ich jedem Stammtischpolitiker zu.
Aber große Einsichten und Diagnosen der Wirtschaft hat der Mann stets geliefert. Die Platitüde, dass Raubtierkapitalismus herrscht, Gier und Raff- und Habsucht die großen Tugenden in der Wirtschaft sind, die an den Pranger gehören. Toll! Zu soviel Scharfsichtigkeit braucht es ein Wirtschaftsstudium und Kontakte bis ganz nach Oben in der Wirtschaft. (Wir erinnern uns Alle gern an seine Neujahrsansprache zurück, die ihm wohl ein Geistlicher der Sparkasse geschenkt hat.) Auch seine anderen Äußerungen erscheinen meist einfältig, aber vongrundauf ehrlich. Unentscheidbar, ob er wirklich so naiv ist und sein Insiderwissen preisgibt oder ob er einfach nur seine Hofnarrposition erfüllt – uns also als Clown die Wahrheit verkünden möchte.
Horst Köhler war stets verhaltenunauffällig, aber Dauerfigur im Kabarettprogramm. Kaum tritt der Mann zurück, schon schlagen apokalyptische Diskussionsrunden um sich, ob es nun nicht ganz Berg ab gehe, da einer der letzten Wirschaftsverständigen in Deutschland aus der Politik scheidet. Mein Beitrag zu solchen Debatten ist die Spekulation, dass Köhler aus dem Amt geschieden ist, weil er die Konsequenzen für seine Äußerungen (Taten gab es ja eigentlich nicht) nicht tragen will oder darf. Wer glaubt es gehe nur um die Wahrheit über militärische Einsätze der irrt. Vielmehr ziehen sich wohl so langsam die Hintermänner der großen Politik, die in jüngster Zeit gemacht wurde, zurück. Und wie groß die Aufregung war!
Kaum war Phrasen-Horst zurückgetreten, schon drohte man damit die “Mutter der Nation” auf den Thron zu setzen. Bei dieser Frau bin ich mir absolut unschlüssig, ob nur bei einem Skeptiker Retorikunterricht genommen hat und deshalb nie weiß worüber die Anderen Reden, sobald es um die “Arbeit” geht oder ob sie einfach nur jeden Realitätssinn verloren hat und intellektuell umherirrt.
Aber zusammenfassend kann man sagen: es wird wieder kräftig Lärm um Nichts gemacht. Welche Form Schachfiguren haben ist vollkommen uninteressant und wenn einer eine runde Figur durch eine eckige ersetzt, der spielt immer noch Schach und nicht Mühle. Und wie es aussieht wird uns demnächst auch weiterhin einfach nur was vorge-gaukelt…
Zwangsgedanke Teil 3: Über (Karriere-)Netzwerke
„Have you met my friend Ian? He’s a computer hacker. He helped me erase your MySpace page, and your band’s MySpace page, and your FaceBook page. Happy networking asshole!“ – Allison (Zooey Deschanel), Yes Man 2008
Heute gehört es ja schon zum guten Ton seine sinnlose Existenz mit einem Facebook- oder StudiVZ-Profil auszufüllen. Das ist aber nur Kinderkram. Für die Großen von uns gibt es die erwachsenen Version, sog. „Karrierenetzwerke“. Karrierenetzwerke sind seit einigen Jahren bereits der letzte Schrei. Wer nicht nur einen „Job“ haben und machen will, sondern „Karriere“ – das gehört sich ja so – muss in einem Karrierenetzwerk sein um was aus seinem Leben zu machen.
Es bietet sich an dem Ganzen mal etwas nachzugehen und zu verstehen was dahinter steckt:
Was heißt „Karriere“? Wie bereits erwähnt gibt es die merkwürdige Unterscheidung zwischen „Job“ und „Karriere“. Ein „Job“ ist nur einfach „Arbeit“, blanke Tätigkeit – die besten Falls – bezahlt wird. Wer jobbt, der hält sich über Wasser und verdient seine Brötchen durch einfache (körperliche) Tätigkeiten. Wer „Karriere“ macht, der jobbt unter Umständen auch nur, aber mit System. Karrieristen wollen die Führungsposition, den überbezahlten Job mit Verantwortung, den kapitalistischen Traum wahrmachen und in finanzieller Unabhängigkeit wie Medienstars im Luxus baden. Da man hier erst Mal nicht viel Unterschiede feststellen kann – wer ist so anspruchslos und will nur einen schlecht bezahlten „Job“ für seine geopferte Freizeit haben? – wurde eine weitere, hierauf aufbauende Begrifflichkeit eingeführt: Gewinner und Verlierer.
Wer dauerhaft und ausschließlich Jobs macht, der ist ein Verlierer, jemand der es im System zu nichts gebracht hat. Verlierer sind verachtungswürdig und nach Möglichkeit kennt man diese Leute auch nicht und wenn doch, dann sollte man wenig oder gar keine Zeit mit Ihnen verbringen. Karrieristen sind Gewinner. Diese kapitalistischen Sonntagskinder haben es geschafft und leben den Traum vom geschäftigen Arbeitstier, der nicht nur gut aussieht, sondern auch Erfolg bei den Frauen hat. Karrieristen haben gut bezahlte Karrieren, tolle Wohnungen, gute Autos und arbeiten auf ihre Rente in Miami hin. Colgate-lächeln, exotische Bräune und Designerkleidung werden hier ebenso gepflegt wie gute Kontakte und beste Beziehungen zu Leuten, die per Anruf und Gefallen einiges möglich machen können. Und wo können sich Karrieristen besser untereinander verständigen und austauschen als auf „Karrierenetzwerken“?
Was ist ein „Karrierenetzwerk“? Karrierenetzwerke sind angeblich das absolute Novum der Onlineplattformen und essentiell für das eigene Fort- und Weiterkommen im Beruf. Aber was soll so ein Netzwerk überhaupt sein? Eines der einschlägigen Netzwerke beschreibt sich so:
„Über 8 Millionen Geschäftsleute und Berufstätige nutzen das globale Business-Netzwerk XING in 16 Sprachen für Geschäft, Beruf und Karriere. Mit maßgeschneiderten Networking-Funktionen und Services fördert XING die Vernetzung und professionelle Kontaktpflege. Darüber hinaus macht XING die Verbindungen zwischen Menschen sichtbar – eine unschlagbare Ressource um wertvolle Kontakte zu generieren.
Mit XING Jobs, über 30.000 Expertengruppen und Networking-Events von London bis Beijing hat sich XING von einer Plattform zu einem Web-Interface für Geschäftsleute auf der ganzen Welt entwickelt.“
Immer noch keine Ahnung?! Früher hieß (Karriere-)Netzwerk Klüngel, Vitamin B, Beziehungen, Seilschaft, Vetternwirtschaft. Heute ist das ganz vornehm ein „Netzwerk“. Karrieristen werden anscheinend auch gern als Netzwerker bezeichnet. Mir selbst wird immer wieder erzählt wie wichtig es sei ein gutes „Netzwerk“ aufzubauen um seine Karriere in Angriff zu nehmen. Darauf hin hab ich mich auch mal da angemeldet und war etwas überfordert. Was soll man denn da online machen? Erst mal fülle ich schon brav mein „Profil“ aus, erzähle mit welcher Ente ich gern baden gehe und welcher berufliche Mist mich auch noch pausenlos in meiner Freizeit beschäftigt. Und dann?
Ich hab mich dann wieder dort abgemeldet, weil es mir a) zu dumm ist wahllos Leute von bekannten Firmen aus einschlägigen Abteilungen anzuschreiben um nach einem Einstiegsjob zu betteln und b) ich merke, dass mein Rückgrat zu steif ist um meinen Kopf so weit nach unten zu bekommen damit er in den Hintern einer Person passt, die sich durch ihren Arbeitsplatz Prestige verschaffen will. Allerdings habe ich auch keine Karriere…
Wie funktioniert Geld?
Der erste Post in der Kategorie beginnt mit einem Klassiker! Wer es noch nicht kennt sollte es sich nicht entgehen lassen:
10 Punkte Plan zu effizienten Ausbeutung eines Planeten mit halbintelligenten Lebensformen
Teil 1; Teil 2; Teil 3Wie ich allerdings beim einbinden der Links feststellen muss, ist eine direkte Einbindung der Videos nicht gestattet. Eigentlich ein Grund zum Boykott!
The Ascent of Money
Wer doch etwas mehr Anspruch an seine Unterhaltung bei dem Thema hat, der kann sich die englische Dokumentation “The Ascent of Money” von Niall Ferguson ansehen.
Ich selbst finde die Dokumentation ganz interessant, allerdings sollte man Vorsicht walten lassen, denn Ferguson ist ein freilaufender Wirtschaftswissenschaftler der gleich die ganze Menschheitsgeschichte an das Wirtschaftssystem und das liebe Geld gekoppelt sieht.
Part 1: From Bullion to Bubbles Part 2: Bonds of War Part 3: Risky Business Part 4: Planet Finance