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Zwangsgedanke Teil 7: Schau dich doof oder wenn die Gesundheits-Gestapo 2x klingelt

Wer am Ende seines Lebens noch Gesundheit übrig hat, hat falsch gelebt und viel verpasst. – Gerhard Kocher

Soo liebe Blogfreunde, euer bester Freund Zwangsjacke hat wahnsinnig viel Stress und soo viel zu tun. Und was macht man wenn man zu viel zu tun hat? Richtig! Mal mehr Fernsehen gucken als das ohnehin schon zu kleine Gehirn vertragen kann. Und so wundert es nicht, dass ich mal wieder eine (neue) Lieblingssendung aufgetan habe. Dieses Mal…

Schau dich schlau!

Die Sendung läuft auf einem einschlägigen hinteren Sender. Ich weiß auch gar nicht mehr was die Sendung eigentlich darstellen möchte – sowas wie die Sendung mit der Maus für Erwachsene, aber solche Erwachsene für die die Sendung mit der Maus noch zu anspruchsvoll ist. Ist auch egal… auf jeden Fall treten in der Sendung regelmäßig zwei sporty, trendy, gebildy, flippy Mann und Frau auf, die gestellt ahnungslose Normalos überfallen und in den Kühlschrank gucken! Was da nicht alles ungesundes drin ist! Pfui! Cola! Pfui! Schokoriegel! Pfui! Salami! Pfui! Butter! Pfui! (Die Liste geht nun durch bis zum Letzten. Nur ein Krümel Käse darf man lutschen.)

Die zwei Herrschaften der selbsternannten GesundheitsGestapo (endlich mal wieder ein dritte Reichs Vergleich für das Niveau) klären dann auf, was man überhaupt nur essen sollte, also darüber was in jedem Falle gesund ist. Fettarmer Jogurt, Salat, fettarme Milch, fettarmer Schinken, butterlose Butter, Bio-Äpfel – also Äpfel-Äpfel -, etc. Selbstverständlich lies man sich nicht dazu bitten nun klipp und klar zu sagen, was denn nun absolut ungesund ist. Pizza, Pommes, Cola, Schokoriegel sind Nein und Pfui!

Das Problem ist nun nicht, dass ein geistiges Alter von höchstens Vier haben darf, sondern was die allgemeine Botschaft dieser Sendung ist. Die Botschaft ist: Lebe gesund! Sei gesund! Ernähr dich gesund! Nimm ab! Dann und nur dann wirst du glücklich sein! Wer glücklich ist, ist schlank;  schlank = gesund. Aber wenn nur das die eigentliche Botschaft sein sollte, ist mir die Sendung zu konservativ. Dann würde ich schon einen Hardliner Ernährungsplan erwarten: Algen, entsaftete Gräser, perverse Shakes, exotische Rohkost, Einläufe und Heilfasten. Das wäre gesund! Aber so gesund darf es dann doch nicht sein. So gibt es also zu gesund?

Das andere Problem das ich sehe: diese Sendungsformate mit ihren platten Botschaften kommen nie zur Klärung der Warum-Frage. Warum soll ich – ja warum muss ich – gesund sein, mich gesund ernähren? Man muss es mal klar sagen: gesunde Ernährung macht keinen Spaß. Warum sollte ich vollends auf Pizza verzichten, nur weil die “ungesund” ist? Mag ja sein, dass ich nach der dauerhaften Gräserkur mich nicht nur wie Adonis fühle, sondern auch so aussehe, aber bequemer gebe ich da auch nicht den Löffel ab.

Ja und überhaupt, die Botschaft scheint oberflächlich das Konsumgebot zu unterlaufen. Eigentlich müssten ja alle fröhlich sein, wenn man sich nur schön brav mit Junkfood vollstopft. Aber das Konsumgebot wird nur umgelenkt, auf die gesunden Produkte. Und wie jeder weiß sind gesunde Produkte teurer als der ungesunde Fraß. Das kann man mit Leichtigkeit beim nächsten Einkauf selbst feststellen, wenn 6 Bio, ähh, Äpfel-Äpfel (wie sonst soll man “Bio”-Apfel verstehen? Und was ist das, was kein “Bio”- Apfel ist?) teurer sind als eine Tiefkühlpizza!

Was nur wirklich übel ist, ist wie jedes Mal mit dem uralten Sündenfallmotiv gespielt wird. Wer sich nicht gesund ernährt, der “sündigt”. Wer streng diät hält, aber sich einmal doch eine Pizza bestellt, der versündigt sich. Vor wem eigentlich? Natürlich vor dem Bio-Gott, der alles sieht, alles weiß, und seine Produkte für einen guten Preis mit einem Aufkleber versieht. Tja, und weil wir Alle an chronischer Willensschwäche leiden, und die heilige Gesundheitspropaganda nicht heiligen, klingelt auch demnächst an deiner Tür die geheime Gesundheitspolizei verkörpert durch Lulatsch-Bert und Blondi-Sporty, die überprüfen ob auch du Gesundheitsfeinden in deinem Kühlschrank unterschlupf gewährst! Und wenn….ja wenn.. dann Gnade dir der Bio-Gott!

Heidegger und japanisches Frühstücksfernsehen

Sooo, da bin ich mal wieder. Da ich kürzlich wieder von einem Sophistentreffen wiedergekommen bin gibt es mal wieder was unterhaltsames.

Das Erste was mir empfohlen wurde ist das Heidegger Lied von Eichhorn und Pigor. War mir vorher gänzlich unbekannt, aber wirklich recht unterhaltsam. Das wäre ja noch was gewesen, wenn wir es mal noch zu Studienzeiten im Seminar angestimmt hätten.

Das Zweite ist ein schöner Clip des japanischen Frühstücksfernsehen und die japanische Interpretation westlicher Kultur.

Germany’s Next Topmodel oder Was man alles für den Ruhm macht

Tja, eigentlich wollte ich den Artikel schon am Donnerstagabend geschrieben haben, aber mir fehlte einfach die Muße bei meiner schweren Erkältung. Wie und warum ich die Sendung überhaupt ab und an gesehen habe, weiß ich selbst nicht. Falls jemand die Sendung nicht kennt: Regelmäßig sucht Heidi Klum junge Mädchen die sich für Knebelverträge in Size Zero hungern und für Geld und Ruhm alles machen.

Mit einer ordentlichen Portion junger Naivität und Selbstverliebtheit bewirbt sich da alles was sich Schön hält und keine Hemmungen hat sich – wirklich bis an den Rand der Belustigung – lächerlich zu machen. Die absolute Krönung ist die Unverschämtheit mit der einige Mädchen (ja Mädchen, das sind keine Frauen da!) als “wunderschön” präsentiert werden. Wundern muss man sich nur wie dreist Heidi und ihre “Juoren” da lügen.

Am Donnerstag wollte ich einen Luftsprung machen und mich diebisch freuen, dass man Liebling Neele gehen muss. Aber Ätschibätsch, es bleiben Alle diese Woche drin. Ich habe Neele deshalb so liebgewonnen, weil sie nicht nur arrogant ist und eine maßlos falsche Selbsteinschätzung hat, sondern weil sie auch noch eine der unansehnlichsten Mädchen der Staffel ist. Ihr grausamer Haarschnitt harmoniert auf merkwürdigeweise mit dem rest ihres verwachsenen und unproportionierten Gesichtes. Wenn man sich auch sonst über Schönheit streiten mögen könne, Neele kann allenfalls als Beispiel für die Ästhetik des Häßlichen gelten.

Umso frecher ist es, wenn die “Jury” unbeirrt behauptet, Neele wäre ein so schönes Mädchen. Da will man uns augenscheinlich ein X für ein U vormachen. Ja, überhaupt ist die gane Jury äußerst fragwürdig. Es ist gar nicht einzusehen wer in der Jury weshalb sitzt. Ich habe keine Lust die Namen von den Witzfiguren nachzusehen, aber Chucky die Mörderpuppe und Jim Knopf scheinen enge Verwandte zu sein. Heidi mimt die Supernanny mit überzogener strenge und Autorität, die ihr gar nicht zu kommt. Anscheinend soll das einen Spannungsbogen aufbauen, der fast unmöglich ist, hat man doch immer die Lebkuchenfratzen der Jury vor Augen. Die Models dürfen sich dann auf dem Laufsteg auch immer auf Kommando Kunstsückchen vollbringen und das Publikum durch ihre niedere Intelligenz und/oder Ungeschicktheit dabei unterhalten. Generell werden die Juryurteile so lange verzögert “bis einer weint”.

Aber wer mal sehen will wie niedrig junge Mädchen sinken können und sich vor zweifelhaft kompetenten Figuren lächerlich machen, der sollte mal reinschalten!

Zwangsgedanke Teil5: Hass auf und in der Fernsehlandschaft

Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie. – Neil Postman

In letzter Zeit sehe ich zu viel Fernsehen. Grausam. Die Fernsehlandschaft bietet durchweg unteres BILD-Niveau, und das will was heißen. Für gewöhnlich führt man den Schluss an, dass das Fernsehen mit einem verallgemeinernden Menschbild arbeitet und sein Programm für den „Durchschnittsmenschen“ macht. Im Bereich der Softwareentwicklung orientiert man sich am Dümmster Anzunehmender User, so kann man wohl beim Fernsehen vom Dümmsten Anzunehmenden Zuschauer ausgehen. Neil Postman schreibt, dass dieser dümmster Zuschauer das Kind wäre und prognostiziert die Schaffung eines Kind-Erwachsenen, ein erwachsener Mensch mit dem Geist eines Kindes. Was Postman noch in der Entwicklung begriffen sah, sei heute schon Fakt. Der Eindruck muss sich einem aufzwängen und die allgemeine Ebene des Intellekts ist nicht vorhanden. Doch man muss sich einmal fragen, ob dies nur der Eindruck ist der entstehen soll. Tatsächlich ist kaum davon auszugehen, dass ein erwachsener Mensch – unserer Dekadenzgesellschaft, ja selbst in Griechenland – so primitiv ist, dass er den Flachsinn nicht bemerkt.

Als Jemand der um seinen kranken Geisteszustand noch besorgt ist, greift man noch auf die – wohlgemerkt vom Fernsehen selbst – als niveauvoll ausgezeichneten Sendungen zurück. Klar, dass da nur die Politik-Talkshows vom Kaliber Meischberger, Will und Illner, höchstens noch brillierenden journalistische Glanzlichter eines Beckmann und Kerner in Frage kommen können. Aber wem die Meischberger einfach zu selbstgefällig und einfältig, die Illner zu beschränkt, der Beckmann zu selbstverliebt und der Kerner zu hohl ist, ja für den gibt es noch zwei Fernsehsterne, die über diese traurigen Figuren erhaben sind. Die Rede ist natürlich von meinen neuen Lieblingen Plasberg und Lanz!

Frank Plasberg gibt sich als Journalist und Fernsehmoderator aus. Der Mann gibt die Sendungen Hart aber Fair und bei Plasberg privat oder so im Vierundachzigsten. Wer seine Sendungen mal verfolgt –was ich nicht empfehlen will – der stellt fest, dass Plasberg wohl auf die gleiche Journalistenschule wie Michel Friedmann gegangen ist. Sein Moderationsstil ist ebenso asozial und reißerisch. Ein markantes Merkmal von ihm ist, dass er gerne Fragen stellt. Gut, das gehört zum Job, doch Plasberg beschränkt sich nur auf das Stellen von Fragen und nicht auf das Erhalten von Antworten auf diese Fragen. Er fragt etwas – leidenschaftlich, etwas Provozierendes – wendet sich dann von dem Angesprochenen ab und stellt einem Anderen die nächste Frage. Souverän vermittelt er, dass er gar kein Interesse an einer Antwort hat. Mit größter Hingabe leiert er seine reißerischen Skripte ab und gibt altkluge Kommentare von sich. Man fragt sich, weshalb ist Plasberg (noch) nicht selbst Politiker? Wahrscheinlich ist in der Politiklandschaft die Nachfrage von hetzerischen Dummschwätzern und von Altersweisheit geplagten 30+ erschöpft.

Allerdings ist mein absoluter Liebling Markus Lanz. Während ich diesen Artikel hier schreibe, stelle ich mit Überraschung fest, dass Lanz nicht nur Moderator, sondern auch Autor ist. Dass er schreiben kann hätte ich ihm gar nicht zu getraut. (Außerdem untermauert das meine These, dass heute jeder Trottel ein Buch verlegen lassen kann. Gutenberg hätte sich wahrscheinlich aus Anstand erschossen, hätte er gewusst wozu man den Buchdruck missbrauchen würde.) In schier unerschöpflicher Selbstgefälligkeit, Geilheit an sich selbst und (hoffentlich nur gespielter) Einfältigkeit leitet dieser Mann seine Gesprächssendung. Kindlich dumm und platt bemüht er sich Gefühlsduseleien und Schwachsinn aus seinen Gästen zu pressen. Er hat für Alles und Jeden Mitgefühl und vor allen Dingen für sich selbst. Ich zittere schon heute vor dem zukünftigen Fernsehprogramm in dem vielleicht das gemeinsame Kind mit Birgit Schrowange seinen Platz annehmen könnte. Das dann bis zur Unkenntlichkeit in die Hölle hinab gesteigerte Niveau der Sendung übersteigt meine tapfere Vorstellungskraft.

In diesem Sinne kann man nur noch den letzten legalen Drogen zusprechen um die Berieselung mit zu hohem Alkoholpegel auszuhalten. Vielleicht sollten die Fernsehhersteller dazu überzugehen einen Kasten Bier zu jedem Neugerät zu bündeln; das kurbelt das Geschäft an.

Zwangsgedanke Teil 2: Westerwelle und Hartz IV

“Guido Westerwelle ist doch keine Comicfigur – den Mann gibt es wirklich!” – Georg Schramm

Seit der Viezekomiker Guido Westerwelle – bei dem Gedanken, dass der Mann Vizekanzler ist, wünscht man Frau Merkel beste Gesundheit – das soziale Auffangnetz als Einladung zu einem Zustand spätrömischer Dekadenz erhob, brodelt es in der hirnlosen Massenmedienlandschaft. Keine Frage, dass sich Deutschlands SchundBLATT Nummer 1 den gemachten Braten ausmacht und wieder mal in schönster Propagandaprosa die Frage los trat: Lohnt es sich überhaupt noch zu arbeiten? Und was in dem intellektuellen PronoBLATT titelt ist wiederum gefundenes Futter für die an chronischer Schwindsucht des Niveaus leidenden Fernsehmagazinen. Klar, dass sich der Stimme des intellektuellen Kleinsbürgertums – EXTRA – gleich daran beteiligt und sich den Titel für flachste Berichterstattung sichern möchte. Im Beitrag vom 22.2.2009 wird hier der Frage nachgegangen, ob es noch lohnen würde einer geregelten Beschäftigung nachzugehen, wo doch das Leben auf Hartz IV so paradiesisch sei. Blanke Augenwischerei und systematische Verdummung wird betrieben, wenn in den Beispielen lediglich Familien mit einem oder mehreren Kindern gezeigt werden. Der Hartz IV Extremist, der als der gängige Bedürftige ausgegeben wird, verfügt über Playstation und PC und möchte noch 700 Euro extra, damit er seinen Kindern mal was „bieten“ kann. Der Empfänger muss auch als Schmarotzer dargestellt werden, denn den anderen beiden Familien bietet sich eine ähnliche finanzielle Misere. Gleich arm wie der Empfänger, gehen die beiden Familienoberhäupter einer geregelten Arbeit nach, beziehen aber kein Hartz IV aus Scham oder weil man zu Arbeiten erzogen worden ist. Der Eindruck der allem Anschein nach geschürt werden soll ist, dass Hartz IV Empfänger:

  1. faul sind
  2. Parasiten des Sozialstaates sind
  3. In paradiesischen Zuständen leben
  4. undankbar sind
  5. raffgierig sind

Kurzum: Den HartzIV Empfängern werden alle Eigenschaften zugesprochen, die normalerweise den Politkern zu kommen.

Alles zusammengenommen stellen Hartz IV Empfänger die neue Schicht der Dekadenz dar; wer hätte gedacht, dass wir solange auf die falsche Schicht gestarrt haben um wahrhaft dekadente Menschen zu sehen. Auch ich war dem allgemeinen Vorurteil erlegen, dass Dekadenz in der Oberschicht, dem Jetset, bei den Industriellen und Politikern zu Hause wäre. Tatsächlich hat die geschlagene Unterschicht – Hartz sei Dank! – spätrömische Wohlstandszustände geschaffen und erschlichen. Mit diesem Blick bekommen die obdachlosen Alkoholleichen in den Städten einen ganz neuen Anstrich. Vorher dachte ich immer, dass diese sich ihre miserablen Lebenszustände durch Alkohol und Drogen verschönern; jetzt weiß ich es besser. Demnach werde ich am Wochenende jetzt bei den angesagten Edeldiskotheken vorbeifahren und den Schnapsleichen Geld zustecken, damit sie auch noch am nächsten weiter russischen Vodka und Redbull bestellen können. Das verwöhnte Hartz IV Gesindel straf ich mit Verachtung ab, mit solchem Geldadel will ich nichts zu tun haben. Vielleicht läd mich auch Herr Vizekanzler Westerwelle in seine aus Steuergeldern finanzierte Staatskarosse ein und wir fahren durch die Berliner Hartz IV-Villengegenden und fluchen auf das dekadente Pack bei einem Glas Champagner und einer Zigarre…