Was heißt “genuin” denken?

Keine Sorge, ich fange noch nicht an zu heideggern. Nachdem hier schon schön über akademische Zombies und deren intellektueller Verkrüppelung vom Leder gezogen wurde, stellt sich die Frage was denn „genuines Denken“ überhaupt sein soll. Bevor ich mir hier eine hochtrabende Definition einfallen lasse (die kommt vielleicht noch) ist es schöner den Punkt mal einfach per Video zu erläutern. Durch widrige Umstände bin auf den Film Jeder für sich und Gott gegen Alle. Kaspar Hauser von Werner Herzog aufmerksam geworden. In dem Film gibt es gleich zwei überragende Szenen, die den Punkt was heißt genuin denken demonstrieren.

  • Das Gespräch zwischen Kaspar Hauser und dem Professor. Kaspar soll das philosophische Lügner-Paradox lösen um seine geistigen Fähigkeiten zu testen. Kaspar denkt genuin und lässt sich erst gar nicht auf das logische Kalkül, das bloß mechanische Denken ein und schlägt eine ebenso einfache wie geniale Lösung des Paradoxes vor. Der Professor kann das nicht gelten lassen…

  • Kaspar soll die Allmächtigkeit der Naturgesetze verdeutlicht werden. Mit dem Wissen der Naturgesetze herrscht der Mensch über die Natur und im bacon‘schen Sinne unterwirft der Mensch die Natur seinem Willen. Das Experiment demonstriert aber etwas ganz Anderes als die Dominanz des menschlichen Willens in der Natur…

Ich glaube die Bilder unterstreichen worüber ich hier und dem damaligen Artikel gesprochen habe, welches Denken und welcher Blick auf die Dinge im akademischen Betrieb programmatisch getilgt wird:

Als Professor der Logik und Mathematik habe ich nicht verstehen gelernt, sondern da habe ich schließen gelernt

In diesem Sinne…

Leave a Reply