Zwangsbesprechung Nr.2: Exit Through the Giftshop

So liebe Blogfreunde, da der neue Zwangsgedanke immer noch auf sich warten lässt, mal etwas Anderes. Da auf Filmhass.de auch Funkstille herrscht, schiebe ich mal eine Doku als 2te Besprechung in der Rubrik ein.

Exit through the Giftshop dreht sich um das Künstlermilieu um “Street-Art”. Streetartists sind die, die unsere Bahnhöfe, Züge und Hausmauern mit Graffiti vollschmieren. Diejenigen, die das besonders gut können, sind nicht nur Schmierer, sondern Künstler. Dass das nichts mehr mit Schmiererei zu tun hat, wenn mal nicht pubertierende Halbstarke die Sprühflaschen inhalieren und vollsauen, zeigt die Dokumentation recht eindrucksvoll. Außerdem versuchen die Künstler auch ab und an eine gesellschaftskritische Botschaft in ihrer Kunst auszudrücken. Insbesondere der Pate der Streetartbewegung – Banksy – zeigt einen Einblick in sein Atellier. Das sind schon die nennenswerten und positiven Aspekte der Dokumentation.

Der negative Aspekt ist darin zu sehen, dass die Dokumentation der Streetartists nur zu einer Art Nebenhandlung verkommt und es sich zunehmend mehr um den “Macher” der Dokumentation Thierry Guetta – alias Mr.Brainwash – dreht. Guetta hat das gesamte Filmmaterial erstellt. Dies jedoch weniger aus einem filmerischen Drang heraus, als vielmehr auf Grund  seiner Zwangsneurose Alles und ständig filmen zu müssen. Durch einen Verwandten ist er in die Streetart-Szene gerutscht und hat die Künstler bei ihren – größten Teils illegalen – Aktionen begleitet und gefilmt. Aus seinem Zimmer voller Videokassetten hat er dann versucht einen Film über die Streetartists zu erstellen, der allerdings ziemlich missraten und unansehnlich geworden ist. Daraufhin legten ihm seine neuen Künstlerfreunde nahe doch lieber selber Streetart zu betreiben. So dreht sich die zweite Hälfte des Films nur darum wie aus dem abgezockten und schmierigen Geschäftsmann Thierry Guetta der Künstler Mr.Brainwash wird. Ob gewollt oder nicht wird dem Zuschauer schnell klar, dass Guetta, aber nichts weiter als ein Trittbrettfahrer der Szene ist und mehr kopiert als kreiert. Doch ist dies vollkommen belanglos, denn Mr.Brainwash verdient fast eine Million Dollar mit seiner ersten Ausstellung bei der er fast Alles von seinen Künstlerkollegen erledigen lässt und nur noch kassiert.

Wer mal den etwas anderen Input sucht oder Banksy mal “live” performen sehen will oder einfach nur den Wahnsinn der Kunstszene und die Idiotie der Kunsthändler und -sammler  (für die Rangiert die Streetart auf dem gleichen Rang wie “klassische” Kunst), dem kann diese Dokumentation empfohlen werden. Ich überlege auch schon mir ein paar Spraydosen zu kaufen und mir doch noch Photoshop beizubringen um richtig schön Kasse zu machen.

Andächtige Stille

Es geht auf den Winter zu. Da wird es recht besinnlich und die Blogposts nehmen ab. Auch der Filmhass-Admin hat wohl ein neues Hobby gefunden… So viele Themen, so wenig Zeit…

Der 10. Zwangsgedanke steht noch aus und die Tagespolitik möchte auch einen Kommentar erleben.  Eine neue Kategorie war auch angedacht, aber das Eine nach dem Anderen. In jedem Falle geistert die Zwangsjacke noch auf diesem Blog herum und treibt ihr Unwesen weiter :D

Zwangsgedanke Teil 9: Die Sarrazin-Affäre oder wer hat Angst vorm scheelen Mann?

Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen.

-Deutsches Sprichwort

Seit den letzten Wochen gibt es nur noch ein Thema und ich komme leider nicht dazu einen ordentlichen, detailierten Artikel über das Thema zu schreiben, weil sich die Presse und die Talkshows in Rage darin überbieten erschreckend dämliche Kommentare sich abzuverlangen oder von den Lesern/Zuschauern provozieren. Deutschlands Politiker sind im Rausch der Einfältigkeit und Talkshowmoderatoren vom Schlage Plasberg, Will und Kerner haben scheinbar die explizite Regieanweisung erhalten einfach so drauf los zu Reden, was noch üblere Beiträge verursacht als im Normalfalle.

18 Prozent der Deutschen würden – angeblich – einer Sarrazin-Partei ihre Stimme geben, wahrscheinlich als Protestwahl. Das wäre ein  höchst Ergebnis für die gängigen Splitterparteien von FDP, Grün, Rot, SPD und CDU. Erschreckend. Also fast 1/5 in unserem Land würde gern vornehm rechts und auf bloßes Migrations-Parteiprogramm setzen und nationalistisch wählen wollen… Wie kommen wir denn dazu? Die alte Angst geht um, dass vielleicht ein nächster Punkt auf der Agenda der Wiederaufbau der Mauer, die D-Mark wieder eingeführt und Deutschland den gleichen Status der Neutralität wie die Schweiz annimmt und aus der EU austritt. (Da fragen sich gleich die edlen Thekenspechte, ob dies denn so schlimm wäre!)

Was hingegen tatsächlich schlimm ist, ist wie einer meiner besten Freunde, Sarrazin, bei seinen Fernsehauftritten von der Inquisition der Humanisten verbal zusammengeschlagen wird. Das Erste, was vorab auffällt ist, was Sarrazin für ein häßlicher Anblick ist. Scheeles Auge, schiefer Mund, dachte erst es wäre der unmaskierte Jürgen Habermas. Es ist merkwürdig, dass solche Typen, die dem Volk Ausdruck verleihen – oder behaupten dies zu tun – immer mit einer äußerlichen Entstellung daher kommen; mit unglaubwürdigen Antlitz, wenn man denn so möchte. Aber darum geht es hier jetzt nicht…

Ehrlich gesagt habe ich eher mit einem Auftritt a la Eva Hermann bei Kerner gerechnet, aber so menschentreu waren die geladenen Humanisten dann doch nicht. Aber: man hat sich alle Mühe gegeben Sarrazin jeder Glaubwürdigkeit zu berauben. Dumm nur, dass die Menschenrechter sich so über alle Maßen ereiferten, dass sie ihren schlimmsten Kleingeist zur Schau stellten. Bei dem Thema bleibt Beckmann außen vor, der taugt zum Moderator soviel wie ein Affe zum Geschirrspülen…

Absolut klasse ist der gängige und nahezu einzige Haupteinwand gegen Sarrazins Buch den sich wohl irgendein Politikberater von der Künast hat einfallen lassen müssen, damit die neben ihren Beschimpfungen noch etwas halbwegs sachliches von sich geben konnte. Der Einwand lautet:

Sarrazin mache keine pragmatischen Lösungsansätze für die von ihm angesprochenen “Probleme”.

Das muss man erst mal sacken lassen. Aber schon nach der ersten Schrecksekunde merkt man doch, dass dies wohl kaum ein Einwand ist. Ja bei genauer Überlegung stellt man fest wie schwachsinnig dies doch ist.  Wer ein Problem anspricht, der ist wohl kaum verpflichtet eine Lösung mitanzubieten; ja, wenn man die Lösung parat hat für ein Problem hat es doch wenig Sinn überhaupt über das Problem zu sprechen, als doch vielmehr über die Lösung selbst. Und worin bestehe dann eigentlich die Aufgabe? Wir diskutieren doch nur recht selten über Lösungen als über Probleme. (Erich Fromm bspw. hat sich schon in den 70′er Sorgen um den Kulturellenverfall gemacht mit Lösungsansätzen; Resultat: Ignorieren und weitermachen – das glänzende Rezept jeder verschwindenden Kultur, Stichname Spengler.)

Aber mir liegt es fern Sarrazin hier in Schutz zu nehmen, das hat der Mann nicht verdient. Im Gegenteil ich lehne den Mann, weil er hochgradig populistisch – im negativen Sinne – und einfach nur ein dekadentes deutsches Biedermeiertum propagiert. Wenn ich höre und lese, dass die Sozialhilfeempfänger dicke Pullover tragen können um Heizkosten zu sparen und Sarrazin ernsthaft behauptet man könne sich von dem HartzIV-Betrag gesund und ausgewogen ernähren, ohne Mangel, etc., dann schmecken seine Argumente recht fade, wenn sie immer aus dem Munde von Wohlhabenden kommen. Ja, mich erinnern solche Forderungen immer an die legendäre, dekadente Aussage von Marie Antoinette: “Wenn sie kein Brot mehr haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.” (Vielleicht wäre es zumindest nicht schlecht, wenn so mancher in solchen Debatten wenigstens das Schicksal von Marie teilen würde.)

Aber die Debatten bleiben ja nicht bei dem Punkt stehen. Nein, bevor man sich mit dem Buch wirklich auseinandersetzen würde, wird immer nur über die Zahlen und Statistiken diskutiert. (Merke: Wenn man so ein populistisches Buch schreiben will: Niemals Zahlen verwenden!) Wie langweilig! Die Einwände sind dann: “Nun, ich kenne eine andere Statistik XY von 1912…” oder aber die bloße Hinterfragung der These durch: “Woher haben sie ihre Zahlen?”. Wen interessiert das? Ich glaube die meisten verfallen dem Sarrazinwahn nicht, weil sie von den Statistiken überzeugt wurden, sondern von der Beschreibung der Erlebniswirklichkeit des Alltages Vieler.

Doch die Talkshows steuern bei: Da gibt es jetzt immer den Quoten-Migranten, der stets repräsentativ ist. Abitur mit 1,0, fünf Studiengänge und mindestenst Doktor mit summa cum laude und im Staatsdienst. (Ich meine jetzt als Beamter nicht im Strafvollzug.) Ich weiß gar nicht, wer meint, dass das als lebenswirkliche Entmachtung von Sarrazins Behauptungen taugt. Im Gegenteil, es belustigt, weil es so absurd ist. Man möchte Enten beobachten und präsentiert Donald Duck! Wenn ich deutsche HartzIV-Unterschicht sehen will, dann gehe ich aus der Haustüre, aber suche die doch nicht in Monaco. Ja überhaupt schien sich ja niemand wirklich entscheiden zu können, ob Sarrazin nun etwas Reales oder vollkommen Fiktives beschreibe. Ständige pendelte es zwischen Ableugnen des Problems und dem Vorwurf keine Lösungsansätze zu präsentieren. Armes Deutschland.

Das ursächliche Problem das beobachtet werden konnte, war der erschreckend schmale Grad auf dem Sarrazin gewandelt ist. Ständig hat man versucht ihn gleich als Neonazi zu stempeln, als Rechten, denn dann weiß man ja wo gegen man anschreit. Aber so einfach war es dann doch nicht. Die Deutsche Einheit fehlt, das Nationalbewußtsein, das erst seit der Fußball-WM aufgekommen ist. Das dann schön gefeiert, aber ansonsten geächtet ist. Rechts heißt immer Nazi, Links ist immer ok. Wenn Sarrazin hardcore links wäre und sein Buch fordern würde: Mehr Migranten! Migranten bringen den Aufschwung! Dann würde das vollkommen durchgehen, dann würde man wahrscheinlich brav grün abnicken, etwas schmunzeln und ihnen zur Ruhe ermahnen in seinem Überschwang. Aber recht hätte er. Und eben das ist die Verlogenheit bei der Propaganda der Meinungsfreiheit.

(Die Debatte hatte wirklich Potential, dass Deutschland mal etwas an sich arbeiten hätte können, aber das ist wieder so schnell aus dem Bewußtsein wie es gekommen ist. Na, morgen ist auch noch ein Tag nicht wahr… Ich glaube Sarrazin hat nur das Presse-Sommerloch gefüllt oder die Lücke von Kachelmanns Entlassung zum Prozess….)

Zangsgedanke Teil 8: Loveparade – tot geliebt

Gewalt hört da auf, wo die Liebe beginnt. – Petra Kelly

Eure bester Freund Zwangsjacke hat keine Kosten und Mühen gescheut um nicht auf die Loveparde zu fahren. Das war auch gar nicht nötig, denn ab dem späten Nachmittag lief es ja eh im Fernsehen. Für Alle, die auch hinfahren wollten, aber Extasy zu stark war und seitdem auf Alpha Centauri waren: In der Hauptstadt des Pöbels – Duisburg – hat sich eine “Katastrophe” ereignet! 21 Tote und aber Millionen Verletzte! Viele haben schwere Hirnschäden davon getragen, insbesondere Reporter, Veranstalter und die lokale Stadtverwaltung!

Tja Freunde, 21 Menschen sind tot, weil sie auf eine Massenveranstaltung zum Tanzen gehen wollten, aber in einem Tunnel steckten. Gut, das ist jetzt noch nicht, sonderlich schlimm. Wüßten man nicht, dass es sich in Deutschland ereignet hat, dann könnte es ebenso gut eine Hochzeit in Indien gewesen sein. Aber die eigentliche Katastrophe besteht erst, wenn in Deutschland 21 Menschen sterben. Da reisen gar die Kanzlerin, Bundespräsident und die lokalen Politiker von Rang und Adel an, um sich volksnah und trauerlich zu präsentiern. Der “Todestunnel” ist tagelang gesperrt, da eine Meute von Gaffern und Kondolenzern sich solidarisch geben will und Kerzen anzünden will. Ich hatte noch auf ein Eintreffen der geschmückten Bundeswehr gewartet mit allem Pomp, Flagge hissen, Zinksärge und Salut. Aber so wichtig waren die Toten, dann wohl doch nicht. Scheinheiligkeit wohin das Auge und Ohr reicht.

In der Zwischenzeit ist auch schon wieder kräftig gestorben worden. Aber Flutkatastrophen mit hunderten von Toten sind einfach keine Konkurenz für ein paar Tote im heimischen Land. Und was treiben uns die Medien mit der Schuldfrage um! Wer darf Sündenbock sein? Der gute Sauerland war es nicht, der Veranstalter hat ein bischen geflunkert mit den Besucherzahlen – sollten ca. 400.000 sein -  und die Stadtverwaltung hat auch keine Schuld, denn sie hat ein Gelände für 250.000 Leute zur Verfügung gestellt. Man muss es eben nur nicht mit den Zahlen so genau nehmen wollen, genaue Berichterstattung für komplexe Sachlagen ist eben nichts für die Medien.Ich bin gespannt wie lange es dauern wird bis wir den komplexen Zusammenhang von Antrag -> Bearbeitung -> Genehmigung präsentiert bekommen und sehen, dass sich hier wohl mehrere Sündenböcke zusammen versündigt haben.

Der ahnungslose, trauerwütige Bürger will nur Kerzen anzünden und die 21 Toten beklagen. (Wenigstens eine Zahl stimmt für die Medien: mehr als Null Tote = Quote und Thema des Monats). Bester Kommentar bisher von Pius-Schwester Eva Hermann: Die Strafe Gottes ist auf die Sünder und Teufelstänzer niedergefahren! Eine biblische Szene hat sich in Duisburg ereignet. Eine Feier der Dekadenz wie einst zu Babylon wurde durch Gottes Zorn vernichtet. Da kann selbst geballter Zynismus Eva Hermann nicht das Wasser reichen, denn sie verfügt über eine genuine Quelle der Borniertheit, eine kleinen Geist der ein Perpetum Mobile der Dummheit ist.

21 Tote gereichen uns schon zur “Katastrophe” von biblischem Ausmaß. Und eigentlich sind wir schon im Mittelalter angekommen, wenn eine Medienhatz auf den Sündenbock – vornehmenlich den dekadenten Oberbürgermeister-Teufel – veranstaltet wird. Dieser wiederum ist so einfältig, dass er den Unterschied eines politischen Rücktrittes als Schuldeingeständnis und als Symbol, nicht unterscheiden kann. Oder sagen wir lieber, er kann es wohl schon begreifen, doch keine Variante würde ihm seinen monatlichen Verlust von rund 10.000 Euro ausgleichen. Na, so schlägt die Prestigegier zurück, Kosten kleinhalten wollen, aber kein Rückgrat. Der Herr zieht es vor bequem abgewählt zu werden, für eine Rente mit der er sich aushalten kann…aber Alles was wir aus dem Fall entnehmen können ist, dass das duisburger Kleinbürgertum einfach mit einer Großveranstaltung und dem geforderten Rest gesunden Menschenverstandes überfordert ist.

Die Regierung hat nun eine “Sofort-Hilfe” von 1 Million zugesagt. Ist auch angemessen und nicht als Schuldeingeständnis zu werten. Eingedenk der Tatsache wieviele “Ernährer” nun den Familien entfallen sind ist die Entschädigung ja angebracht. Auch liegen jetzt neueste Erkenntnisse dem unabhänigen Expertum vor, nachdem die Schuldfrage nicht ganz klar nur einer Instanz zugewiesen werden kann. Wenigstens auf ein überbezahltes Germium ist verlass…

Zwangsgedanke Teil 7: Schau dich doof oder wenn die Gesundheits-Gestapo 2x klingelt

Wer am Ende seines Lebens noch Gesundheit übrig hat, hat falsch gelebt und viel verpasst. – Gerhard Kocher

Soo liebe Blogfreunde, euer bester Freund Zwangsjacke hat wahnsinnig viel Stress und soo viel zu tun. Und was macht man wenn man zu viel zu tun hat? Richtig! Mal mehr Fernsehen gucken als das ohnehin schon zu kleine Gehirn vertragen kann. Und so wundert es nicht, dass ich mal wieder eine (neue) Lieblingssendung aufgetan habe. Dieses Mal…

Schau dich schlau!

Die Sendung läuft auf einem einschlägigen hinteren Sender. Ich weiß auch gar nicht mehr was die Sendung eigentlich darstellen möchte – sowas wie die Sendung mit der Maus für Erwachsene, aber solche Erwachsene für die die Sendung mit der Maus noch zu anspruchsvoll ist. Ist auch egal… auf jeden Fall treten in der Sendung regelmäßig zwei sporty, trendy, gebildy, flippy Mann und Frau auf, die gestellt ahnungslose Normalos überfallen und in den Kühlschrank gucken! Was da nicht alles ungesundes drin ist! Pfui! Cola! Pfui! Schokoriegel! Pfui! Salami! Pfui! Butter! Pfui! (Die Liste geht nun durch bis zum Letzten. Nur ein Krümel Käse darf man lutschen.)

Die zwei Herrschaften der selbsternannten GesundheitsGestapo (endlich mal wieder ein dritte Reichs Vergleich für das Niveau) klären dann auf, was man überhaupt nur essen sollte, also darüber was in jedem Falle gesund ist. Fettarmer Jogurt, Salat, fettarme Milch, fettarmer Schinken, butterlose Butter, Bio-Äpfel – also Äpfel-Äpfel -, etc. Selbstverständlich lies man sich nicht dazu bitten nun klipp und klar zu sagen, was denn nun absolut ungesund ist. Pizza, Pommes, Cola, Schokoriegel sind Nein und Pfui!

Das Problem ist nun nicht, dass ein geistiges Alter von höchstens Vier haben darf, sondern was die allgemeine Botschaft dieser Sendung ist. Die Botschaft ist: Lebe gesund! Sei gesund! Ernähr dich gesund! Nimm ab! Dann und nur dann wirst du glücklich sein! Wer glücklich ist, ist schlank;  schlank = gesund. Aber wenn nur das die eigentliche Botschaft sein sollte, ist mir die Sendung zu konservativ. Dann würde ich schon einen Hardliner Ernährungsplan erwarten: Algen, entsaftete Gräser, perverse Shakes, exotische Rohkost, Einläufe und Heilfasten. Das wäre gesund! Aber so gesund darf es dann doch nicht sein. So gibt es also zu gesund?

Das andere Problem das ich sehe: diese Sendungsformate mit ihren platten Botschaften kommen nie zur Klärung der Warum-Frage. Warum soll ich – ja warum muss ich – gesund sein, mich gesund ernähren? Man muss es mal klar sagen: gesunde Ernährung macht keinen Spaß. Warum sollte ich vollends auf Pizza verzichten, nur weil die “ungesund” ist? Mag ja sein, dass ich nach der dauerhaften Gräserkur mich nicht nur wie Adonis fühle, sondern auch so aussehe, aber bequemer gebe ich da auch nicht den Löffel ab.

Ja und überhaupt, die Botschaft scheint oberflächlich das Konsumgebot zu unterlaufen. Eigentlich müssten ja alle fröhlich sein, wenn man sich nur schön brav mit Junkfood vollstopft. Aber das Konsumgebot wird nur umgelenkt, auf die gesunden Produkte. Und wie jeder weiß sind gesunde Produkte teurer als der ungesunde Fraß. Das kann man mit Leichtigkeit beim nächsten Einkauf selbst feststellen, wenn 6 Bio, ähh, Äpfel-Äpfel (wie sonst soll man “Bio”-Apfel verstehen? Und was ist das, was kein “Bio”- Apfel ist?) teurer sind als eine Tiefkühlpizza!

Was nur wirklich übel ist, ist wie jedes Mal mit dem uralten Sündenfallmotiv gespielt wird. Wer sich nicht gesund ernährt, der “sündigt”. Wer streng diät hält, aber sich einmal doch eine Pizza bestellt, der versündigt sich. Vor wem eigentlich? Natürlich vor dem Bio-Gott, der alles sieht, alles weiß, und seine Produkte für einen guten Preis mit einem Aufkleber versieht. Tja, und weil wir Alle an chronischer Willensschwäche leiden, und die heilige Gesundheitspropaganda nicht heiligen, klingelt auch demnächst an deiner Tür die geheime Gesundheitspolizei verkörpert durch Lulatsch-Bert und Blondi-Sporty, die überprüfen ob auch du Gesundheitsfeinden in deinem Kühlschrank unterschlupf gewährst! Und wenn….ja wenn.. dann Gnade dir der Bio-Gott!

Heidegger und japanisches Frühstücksfernsehen

Sooo, da bin ich mal wieder. Da ich kürzlich wieder von einem Sophistentreffen wiedergekommen bin gibt es mal wieder was unterhaltsames.

Das Erste was mir empfohlen wurde ist das Heidegger Lied von Eichhorn und Pigor. War mir vorher gänzlich unbekannt, aber wirklich recht unterhaltsam. Das wäre ja noch was gewesen, wenn wir es mal noch zu Studienzeiten im Seminar angestimmt hätten.

Das Zweite ist ein schöner Clip des japanischen Frühstücksfernsehen und die japanische Interpretation westlicher Kultur.

Zwangsgedanke Teil 6: Was haben der Rücktritt von Horst Köhler und ein Sack Reis gemeinsam?

Die Vitalität und Stabilität der Demokratie – auch der Wirtschaft – hängen letztlich eminent von der Durchlässigkeit der Gesellschaft ab. Wir brauchen Eliten. Aber sie dürfen sich nicht nur aus sich selber rekrutieren – Horst Köhler

Hmm, mal überlegen… beide Fallen um und die Presse berichtet drüber, wenn es sonst nichts Interessantes zu geben scheint? Auf Anhieb richtig! Der Rücktritt von Köhler toppt selbst eine der größten Ölkatastrophen überhaupt. Hut ab! Das hätte man dem Mann gar nicht zugetraut. Offengestanden hat man den Mann doch nur als Witzfigur wahrgenommen und das liegt nicht an seinem Scheinamt – ein bischen auf den Altenprügelknaben Zeitgeist einschlagen und mal ein paar rührselige Kommentare traue ich jedem Stammtischpolitiker zu.

Aber große Einsichten und Diagnosen der Wirtschaft hat der Mann stets geliefert. Die Platitüde, dass Raubtierkapitalismus herrscht, Gier und Raff- und Habsucht die großen Tugenden in der Wirtschaft sind, die an den Pranger gehören. Toll! Zu soviel Scharfsichtigkeit braucht es ein Wirtschaftsstudium und Kontakte bis ganz nach Oben in der Wirtschaft. (Wir erinnern uns Alle gern an seine Neujahrsansprache zurück, die ihm wohl ein Geistlicher der Sparkasse geschenkt hat.) Auch seine anderen Äußerungen erscheinen meist einfältig, aber vongrundauf ehrlich. Unentscheidbar, ob er wirklich so naiv ist und sein Insiderwissen preisgibt oder ob er einfach nur seine Hofnarrposition erfüllt – uns also als Clown die Wahrheit verkünden möchte.

Horst Köhler war stets verhaltenunauffällig, aber Dauerfigur im Kabarettprogramm. Kaum tritt der Mann zurück, schon schlagen apokalyptische Diskussionsrunden um sich, ob es nun nicht ganz Berg ab gehe, da einer der letzten Wirschaftsverständigen in Deutschland aus der Politik scheidet. Mein Beitrag zu solchen Debatten ist die Spekulation, dass Köhler aus dem Amt geschieden ist, weil er die Konsequenzen für seine Äußerungen (Taten gab es ja eigentlich nicht) nicht tragen will oder darf. Wer glaubt es gehe nur um die Wahrheit über militärische Einsätze der irrt. Vielmehr ziehen sich wohl so langsam die Hintermänner der großen Politik, die in jüngster Zeit gemacht wurde, zurück. Und wie groß die Aufregung war!

Kaum war Phrasen-Horst zurückgetreten, schon drohte man damit die “Mutter der Nation” auf den Thron zu setzen. Bei dieser Frau bin ich mir absolut unschlüssig, ob nur bei einem Skeptiker Retorikunterricht genommen hat und deshalb nie weiß worüber die Anderen Reden, sobald es um die “Arbeit” geht oder ob sie einfach nur jeden Realitätssinn verloren hat und intellektuell umherirrt.

Aber zusammenfassend kann man sagen: es wird wieder kräftig Lärm um Nichts gemacht. Welche Form Schachfiguren haben ist vollkommen uninteressant und wenn einer eine runde Figur durch eine eckige ersetzt, der spielt immer noch Schach und nicht Mühle. Und wie es aussieht wird uns demnächst auch weiterhin einfach nur was vorge-gaukelt…

Germany’s Next Topmodel oder Was man alles für den Ruhm macht

Tja, eigentlich wollte ich den Artikel schon am Donnerstagabend geschrieben haben, aber mir fehlte einfach die Muße bei meiner schweren Erkältung. Wie und warum ich die Sendung überhaupt ab und an gesehen habe, weiß ich selbst nicht. Falls jemand die Sendung nicht kennt: Regelmäßig sucht Heidi Klum junge Mädchen die sich für Knebelverträge in Size Zero hungern und für Geld und Ruhm alles machen.

Mit einer ordentlichen Portion junger Naivität und Selbstverliebtheit bewirbt sich da alles was sich Schön hält und keine Hemmungen hat sich – wirklich bis an den Rand der Belustigung – lächerlich zu machen. Die absolute Krönung ist die Unverschämtheit mit der einige Mädchen (ja Mädchen, das sind keine Frauen da!) als “wunderschön” präsentiert werden. Wundern muss man sich nur wie dreist Heidi und ihre “Juoren” da lügen.

Am Donnerstag wollte ich einen Luftsprung machen und mich diebisch freuen, dass man Liebling Neele gehen muss. Aber Ätschibätsch, es bleiben Alle diese Woche drin. Ich habe Neele deshalb so liebgewonnen, weil sie nicht nur arrogant ist und eine maßlos falsche Selbsteinschätzung hat, sondern weil sie auch noch eine der unansehnlichsten Mädchen der Staffel ist. Ihr grausamer Haarschnitt harmoniert auf merkwürdigeweise mit dem rest ihres verwachsenen und unproportionierten Gesichtes. Wenn man sich auch sonst über Schönheit streiten mögen könne, Neele kann allenfalls als Beispiel für die Ästhetik des Häßlichen gelten.

Umso frecher ist es, wenn die “Jury” unbeirrt behauptet, Neele wäre ein so schönes Mädchen. Da will man uns augenscheinlich ein X für ein U vormachen. Ja, überhaupt ist die gane Jury äußerst fragwürdig. Es ist gar nicht einzusehen wer in der Jury weshalb sitzt. Ich habe keine Lust die Namen von den Witzfiguren nachzusehen, aber Chucky die Mörderpuppe und Jim Knopf scheinen enge Verwandte zu sein. Heidi mimt die Supernanny mit überzogener strenge und Autorität, die ihr gar nicht zu kommt. Anscheinend soll das einen Spannungsbogen aufbauen, der fast unmöglich ist, hat man doch immer die Lebkuchenfratzen der Jury vor Augen. Die Models dürfen sich dann auf dem Laufsteg auch immer auf Kommando Kunstsückchen vollbringen und das Publikum durch ihre niedere Intelligenz und/oder Ungeschicktheit dabei unterhalten. Generell werden die Juryurteile so lange verzögert “bis einer weint”.

Aber wer mal sehen will wie niedrig junge Mädchen sinken können und sich vor zweifelhaft kompetenten Figuren lächerlich machen, der sollte mal reinschalten!

Ebay und komische Leute gehören zusammen

Absolut köstlich! Habe mal seit Ewigkeiten mal wieder Ebay benutzt zum Verkaufen. Prompt bekommt man wieder mal Dummheit in Aktion geboten. Habe zwei Artikel eingesetzt, die am Freitag ausliefen. Zahlungsinformationen senden, etc. Käufer markiert am Samstag in der Übersicht, dass er überwiesen habe. Heute – Sonntag! – bekomme ich eine Nachricht in der er mich fragt, ob ich den Artikel schon versendet hätte?!

Geht es nur mir so oder ist das etwas merkwürdig? Ich meine selbst wenn es möglich wäre, dass sein Geld schon überwisen sein könnte. Wie soll ich ihm Sonntags etwas zu schicken?

Zwangsgedanke Teil5: Hass auf und in der Fernsehlandschaft

Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie. – Neil Postman

In letzter Zeit sehe ich zu viel Fernsehen. Grausam. Die Fernsehlandschaft bietet durchweg unteres BILD-Niveau, und das will was heißen. Für gewöhnlich führt man den Schluss an, dass das Fernsehen mit einem verallgemeinernden Menschbild arbeitet und sein Programm für den „Durchschnittsmenschen“ macht. Im Bereich der Softwareentwicklung orientiert man sich am Dümmster Anzunehmender User, so kann man wohl beim Fernsehen vom Dümmsten Anzunehmenden Zuschauer ausgehen. Neil Postman schreibt, dass dieser dümmster Zuschauer das Kind wäre und prognostiziert die Schaffung eines Kind-Erwachsenen, ein erwachsener Mensch mit dem Geist eines Kindes. Was Postman noch in der Entwicklung begriffen sah, sei heute schon Fakt. Der Eindruck muss sich einem aufzwängen und die allgemeine Ebene des Intellekts ist nicht vorhanden. Doch man muss sich einmal fragen, ob dies nur der Eindruck ist der entstehen soll. Tatsächlich ist kaum davon auszugehen, dass ein erwachsener Mensch – unserer Dekadenzgesellschaft, ja selbst in Griechenland – so primitiv ist, dass er den Flachsinn nicht bemerkt.

Als Jemand der um seinen kranken Geisteszustand noch besorgt ist, greift man noch auf die – wohlgemerkt vom Fernsehen selbst – als niveauvoll ausgezeichneten Sendungen zurück. Klar, dass da nur die Politik-Talkshows vom Kaliber Meischberger, Will und Illner, höchstens noch brillierenden journalistische Glanzlichter eines Beckmann und Kerner in Frage kommen können. Aber wem die Meischberger einfach zu selbstgefällig und einfältig, die Illner zu beschränkt, der Beckmann zu selbstverliebt und der Kerner zu hohl ist, ja für den gibt es noch zwei Fernsehsterne, die über diese traurigen Figuren erhaben sind. Die Rede ist natürlich von meinen neuen Lieblingen Plasberg und Lanz!

Frank Plasberg gibt sich als Journalist und Fernsehmoderator aus. Der Mann gibt die Sendungen Hart aber Fair und bei Plasberg privat oder so im Vierundachzigsten. Wer seine Sendungen mal verfolgt –was ich nicht empfehlen will – der stellt fest, dass Plasberg wohl auf die gleiche Journalistenschule wie Michel Friedmann gegangen ist. Sein Moderationsstil ist ebenso asozial und reißerisch. Ein markantes Merkmal von ihm ist, dass er gerne Fragen stellt. Gut, das gehört zum Job, doch Plasberg beschränkt sich nur auf das Stellen von Fragen und nicht auf das Erhalten von Antworten auf diese Fragen. Er fragt etwas – leidenschaftlich, etwas Provozierendes – wendet sich dann von dem Angesprochenen ab und stellt einem Anderen die nächste Frage. Souverän vermittelt er, dass er gar kein Interesse an einer Antwort hat. Mit größter Hingabe leiert er seine reißerischen Skripte ab und gibt altkluge Kommentare von sich. Man fragt sich, weshalb ist Plasberg (noch) nicht selbst Politiker? Wahrscheinlich ist in der Politiklandschaft die Nachfrage von hetzerischen Dummschwätzern und von Altersweisheit geplagten 30+ erschöpft.

Allerdings ist mein absoluter Liebling Markus Lanz. Während ich diesen Artikel hier schreibe, stelle ich mit Überraschung fest, dass Lanz nicht nur Moderator, sondern auch Autor ist. Dass er schreiben kann hätte ich ihm gar nicht zu getraut. (Außerdem untermauert das meine These, dass heute jeder Trottel ein Buch verlegen lassen kann. Gutenberg hätte sich wahrscheinlich aus Anstand erschossen, hätte er gewusst wozu man den Buchdruck missbrauchen würde.) In schier unerschöpflicher Selbstgefälligkeit, Geilheit an sich selbst und (hoffentlich nur gespielter) Einfältigkeit leitet dieser Mann seine Gesprächssendung. Kindlich dumm und platt bemüht er sich Gefühlsduseleien und Schwachsinn aus seinen Gästen zu pressen. Er hat für Alles und Jeden Mitgefühl und vor allen Dingen für sich selbst. Ich zittere schon heute vor dem zukünftigen Fernsehprogramm in dem vielleicht das gemeinsame Kind mit Birgit Schrowange seinen Platz annehmen könnte. Das dann bis zur Unkenntlichkeit in die Hölle hinab gesteigerte Niveau der Sendung übersteigt meine tapfere Vorstellungskraft.

In diesem Sinne kann man nur noch den letzten legalen Drogen zusprechen um die Berieselung mit zu hohem Alkoholpegel auszuhalten. Vielleicht sollten die Fernsehhersteller dazu überzugehen einen Kasten Bier zu jedem Neugerät zu bündeln; das kurbelt das Geschäft an.